Tuesday, December 17, 2013

The Other's World: OWNING A CLOTHING STORE

I've met Dusanka during a brunch organized by a common friend. She then handed out flyers of her new shop and I immediately thought of her being an "interview" on my blog. It took me several months though to make it come true but here I am now.

Before the interview I had never been to her shop and I must admit that I love it (and I'm not saying it just because she agreed to be interviewed). It's stylish. And I love the clothes and accessories she sells. They're stylish as well. What I liked best though is that there were items for every budget. I bought a bracelet (which I have worn often since) which was just perfect for my budget!

Have a look at her webside: http://jobrauer.com/ or like her on Facebook or if you live in Zurich, make time to visit her shop. It's worth it!

Now, let's hear what she has to say about her dream come true. You'll find the English translation, as usual, at the bottom and, as usual, all mistakes are mine.

Enjoy!



Wie entstand Jo Brauer?
Ich war eine typische „fashion victim“: Ich kaufte mir die neuesten Trends und besass entsprechend viele Kleider. Mein Job bei einer Mode-Agentur half nicht, weil ich den ganzen Tag von Kleidern umgeben war und am liebsten immer alles gekauft hätte. Jede Saison brachte somit neue Outfits mit sich, bis dann irgendwann mein Kleiderschrank aus allen Nähten zu platzen drohte.
Um Platz zu schaffen, entschied ich, einen Flohmarkt bei mir zu Hause zu organisieren, der dann auch regen Beiklang bei meinen Freundinnen fand. Eine meinte sogar, ich solle das doch professionell machen. „Warum eigentlich nicht?“ dachte ich. „Ich könnte Vintage-Kleider zusammensuchen und diese Online verkaufen.“ Mir gefiel an dieser Idee auch, dass ich dies neben meinem Job machen könnte und ohne grosse Investitionen. Ich ging also Wochenende nach Wochenende von Brockenhaus zu Brockenhaus, von Flohmarkt zu Flohmarkt, bis ich eine kleine Kollektion zusammen getragen hatte. Glücklicherweise war damals meine Wohnung gross genug, um alles darin zu lagern.
Ich war begeistert bei der Sache, wollte das unbedingt. Ich bin zwar oft begeistert von etwas, aber meist flacht der Enthusiasmus dann ziemlich schnell wieder ab. Diese Idee war anders und die Begeisterung blieb, auch heute noch, drei Jahre später.

Mit der Hilfe meiner Schwester und meinem Ersparten gab ich eine Internet-Seite mit Online-Shop in Auftrag. Ich sah mich zukünftig schon ausschliesslich in meinem Shop arbeiten, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung hatte, ob ich überhaupt je nur ein Kleidungsstück verkaufen würde!
Wir kauften eine Fotokamera und einen Laptop und machten im Fotostudio eines Kollegen das erste Shooting: Meine kleine Schwester und ich waren die Models, meine andere Schwester fotografierte. Die ganze Vorbereitungsphase dauerte ein halbes Jahr und am 23. März 2011 gingen wir endlich online!
Die Kleider kamen sehr gut an, was mich natürlich total anspornte. Ich kam wie in einen Rausch: Ich suchte nach mehr Kleidern, machte Fotoshootings. Die Presse interessierte sich auch für Jo Brauer und mit dem doppelseitigen Beitrag im 20Minuten kam eine Flut der Bestellungen!
Der Erfolg brachte aber auch Stress mit sich. Ich kaufte dauernd neue Vintage-Sachen, meine Mutter machte die notwendigen Änderungen – es war alles sehr aufwändig. Irgendwann gestand ich mir ein, dass ich nicht mehr nachkam. Ich brauchte dringend neue Produkte und ich entschied mich, mein Angebot mit neuen Sachen aufzustocken. Ich entdeckte das Label „Mink Pink“, flog extra nach London, um einzukaufen. Der Shop wurde grösser und grösser.
Als die Bestellungen im Online-Shop abflachten, wollte ich ein Ladenlokal mieten. Da meine Schwester jedoch eher skeptisch war, legten wir die Idee vorerst noch auf Eis. Ich mietete jedoch ein Atelier, da unterdessen der Platz bei mir zu Hause knapp wurde. Ich organisierte weiterhin Apéros und da lief immer viel! Als ich aus dem Atelier ausziehen musste (befristeter Vertrag), fand ich diesen Laden an der Bertastrasse in Zürich. Es war die perfekte Location, um den Versuch „eigener Laden“ zu wagen, da auch hier der Mietvertrag nur befristet war. Es lief aber sehr gut, vor allem im Sommer.
Deshalb habe ich entschieden, im Februar, wenn der Mietvertrag auslaufen wird, ein grösseres Lokal zu suchen, weil ich neue Ideen für Konzepte habe und mir klar ist, dass deren Umsetzung nur geht, wenn ich 100% dem Shop gebe. Ich kündigte deshalb meinen Job bei der Mode-Agentur und werde mich zukünftig ganz und gar Jo Brauer widmen.



Warum heisst dein Shop „Jo Brauer“?  
Als ich auf der Suche nach einem geeigneten Namen war, „probierte“ ich einige aus. Dusanka Simic tönte nicht so cool, fand ich, aber ich wollte unbedingt einen Vor- und Nachnamen haben. Anlässlich eines Shootings an einer Haarshow lernte ich eine amerikanische Hairstylistin kennen, die aus New York stammte und Jo hiess. Sie war so eine richtig coole Powerfrau, mit Kind und Mann und Karriere. Sie war so offen, wie es eben Amerikaner sind. Der Name „Jo“ liess mich nicht mehr los. Ich verband ihn mit „Power“.
„Brauer“ fügte ich hinzu, weil ich damals an der Brauerstrasse wohnte. Ich fand die zwei Namen passten super gut zusammen.

Wie hat sich dein Leben verändert, seit du Jo Brauer besitzt?
Ich fand ein neues Hobby. Mehr noch, ich lernte neue Dinge. Ich entdeckte, wie sehr es mir gefiel, schöne Fotos zu machen. Nicht nur. Outfits zusammenzustellen. Zu überlegen, wie sich dies oder das am besten präsentieren lässt. Es gab mir die Freiheit, alles selber machen zu können. Es ist total kreativ. Ich wurde plötzlich zur Stylistin oder zur Fotografin. Es nimmt meine ganze Zeit in Anspruch.
Mein Leben hat sich auch dadurch verändert, dass ich nicht mehr in den Ausgang gehe. Ich bleibe am Freitagabend lieber zu Hause, damit ich am Samstagmorgen um 7 Uhr fit für den Flohmarkt bin. Meine Sonntage verbringe ich mit Shootings oder sortiere Fotos.


Inwiefern hat Jo Brauer dein Leben bereichert?
Ich kann meine Kreativität total ausleben - mein Hobby wurde zum Beruf. Keinen Chef zu haben, das gefällt mir. Je älter ich werde, desto schwieriger wird es für mich, Weisungen von anderen anzunehmen.
Meine eigene Disziplin ist auch neu für mich. Es ist eine Seite an mir, die ich vorher nicht kannte. Ich war zwar immer fleissig, aber wenn es mir langweilig wurde, gab ich schnell auf. Jo Brauer hat mir gezeigt, dass ich grosse Disziplin und Durchhaltevermögen besitze!
Ich bin auch über die Kräfte, die ich entwickeln kann, erstaunt. Einen Apéro zu organisieren, beispielsweise, mag zwar einfach tönen, ist es aber nicht. Bis alles steht, braucht es sehr viel Kraft und Zeit und verlangt meist nach einem 12/14 Stunden-Tag. Es ist schon erstaunlich, wie viele Kräfte zum Vorschein kommen, wenn man Etwas gerne macht!

Gibt es auch negative Aspekte?
Negativ ist diese dauernde Anspannung und dieses immer „daran“ danken. Die ersten Gedanken am Morgen gehören dem Shop und meiner To-do-Liste. Abends schlafe ich ein an und denke an die Dinge, die ich morgen erledigen muss. Ich kann schlecht abschalten. Eigentlich nie. Sogar in die Ferien nehme ich meinen Laptop mit. Egal, wo ich mich befinde, es ist ein permanentes Denken. Ich sehe einen Baum und denke, wie cool hier ein Shooting wäre. Früher kaufte ich für mich ein – heute nur noch für den Laden! Zu Beginn konnte ich mich von den einzelnen Teilen schlecht trennen. Aber so viele Kleider „zu besitzen“, brachte auch ein gewisses Sättigungsgefühl mit sich (was positiv ist!) und ich picke mir unterdessen nur noch die Kleidungsstücke heraus, ohne die ich unmöglich leben kann!
Bis anhin war die Doppelbelastung nicht immer einfach zu handeln: Ich arbeitete tagsüber in der Agentur und abends kümmerte ich mich um den Laden. Ich hatte nie frei – auch nicht im Kopf.
Nur noch für Jo Brauer zu arbeiten, wird sicherlich helfen, abends wieder richtig abschalten und  freie Tage geniessen zu können.


Was hat dir Jo Brauer beigebracht?
Ich habe gelernt, dass, wenn du dir wirklich von Herzen etwas wünschst, und du dir das im Kopf entsprechend vorstellst, es auch wirklich schaffst. Ich glaube nun an die ganze Sache mit den „Affirmationen“, mit den „Visualisierungen“, über die man sonst nur in Büchern liest.
Mich hat es auch persönlich weitergebracht. Ich habe zum Beispiel gelernt, mit den Flauten zu leben. Es geht immer weiter! Wenn mal an einem Tag im Laden nichts läuft, lasse ich mich nicht mehr davon runter ziehen. Ich schaue vorwärts. Ich bin stärker geworden.
 
Würdest du es wieder tun?
Ja, sicher. Vielleicht rede ich in drei Monaten eine andere Sprache – bin total pleite oder sonst was. Aber eigentlich weiss ich, ich würde es wieder tun!



ENGLISH VERSION:

How did Jo Brauer come into being?
I was what you could call a „fashion victim“; I always bought the newest trends and had, accordingly, many clothes. My job with the fashion agency did not help because I was surrounded all day by clothes and wanted to buy everything all the time. Consequently each season brought new outfits until my closet was bursting with clothes!
In order to make space I decided to hold a garage sale. My girlfriends were totally enthusiastic about it. One of them even suggested that I should do this professionally. I thought “why not? I could gather vintage clothes and subsequently sell them online.” I liked the idea also because I would be able to do it besides my job and no big investments were needed. On weekends I started touring the flea markets and the thrift shops until I had a small collection of clothes. Fortunately my apartment back then was big enough to store all the clothes.
I was excited about the whole thing and I absolutely wanted it to happen. I am often excited about something but I rarely see things through. This ideas was and still is different. I am still excited about it, even today, three years later.
With my sister’s help and my savings we set up a Website with an online shop. I already saw myself working exclusively for my shop in the future even though at that moment, I had no idea if I ever would even sell one item!
We bought a photo camera and a laptop and did the first shooting in a colleague’s studio. My younger sister and I were the models; my other sister took the pictures. The whole preparation phase lasted 6 months and on March 23 2011 we went online!
We sold well which spurred me on. It was like being buzzed. I looked for more clothes. Did more photo shootings. Even the press was interested in Jo Brauer and after a two-sided article in the newspaper “20Minuten”, the orders flood in!
Success brought stress though. I kept on buying vintage clothes, had them amended by my mother which was all very time-consuming. Eventually I admitted to myself that I couldn’t handle it all. I urgently needed new products and decided to add new clothes (as in no vintage) to my offer. I discovered the “Mink Pink” label and I especially flew to London to shop.
My shop became bigger and bigger. When the online shop orders dropped, I wanted to rent a store. My sister wasn’t enthusiastic about the idea so we decided to wait. I had to rent a room though because space at my apartment was getting scarce.
Later, when I had to move out of the room (contract limited in time), I found this store in Bertastrasse in Zurich. It was the perfect location to dare to risk the experiment “own shop” also because the contract was limited in time as well.
We sold well, especially in summer.
Therefore I decided that in February, when my rent contract expires, I will look for a bigger shop. I have new ideas for concepts and this will not only take more space but I know as well that they can only be implemented if I give 100% of my time to the shop. I therefore resigned my job with the fashion agency and will dedicate myself only to Jo Brauer in the future.

Why is your shop called „Jo Brauer“?  
When I was looking for a appropriate name, I „tried out“ some of them. Dusanka Simic didn’t sound particularly cool to me and I absolutely wanted to have a first and a family name. During a hair show shooting I met an American hair stylist from New York who was called Jo. She was this really cool power woman who had it all: child, husband, career. She was so open-minded, as Americans tend to be. I couldn’t get the name “Jo” out of my head. It meant “power” to me.
I added “Brauer” because back then I lived on “Brauerstrasse. The two names matched, in my opinion.

How has your life changed since you own Jo Brauer?
I found a new hobby. More so, I learnt new things. I discovered my passion for beautiful photos. Not only. To put together outfits. To think about how this or that is best presented. It gave me the freedom to do everything by myself. It’s totally creative. I suddenly became a stylist or a photographer. It takes up my whole time.
My life also changed because I am no longer going out i.e. I don't party any longer. I prefer staying home on Friday nights so that I can be at the flea market at 7am Saturday morning. I spend my Sundays with shootings or sorting out photos.
 
How has Jo Brauer enriched your life?
I totally live my creativity. My hobby became my job. I like having no boss. The older I get, the more difficult it becomes for me to accept instructions from others.
My own discipline is also new to me. It’s a part of me that I didn’t know beforehand. I have always been a hard-working girl but when it got boring I was quickly out. Jo Brauer showed me that I have great discipline and perseverance!
I am also quite amazed about the strength I am able to develop. To organize an “apéro” (event), for instance, sounds quite easy but in fact it isn’t easy at all. Till everything is ready for the clients, it needs much energy and time and usually means a 12/14 hours day. It is quite amazing how much energy you can develop when you like doing what you do!

Are there negative aspects?
Negative is the constant stress and to always have to think about “it”. My first thoughts in the morning belong to the shop and to my to-do list. In the evenings I fall asleep thinking about the things I have to take care of tomorrow. I am bad at turning-off. I actually never do. I even take my laptop with me when I go on vacations. No matter where I am, it’s continuously about thinking. I see a tree and think how beautiful a shooting would be in this location. In the past I shopped for myself – nowadays it’s always for the shop! At the beginning it was hard for me to separate from the clothes. But to “own” so many clothes has brought some feeling of satiety (which is positive!) and meanwhile I only keep the items I impossibly can’t live without!
The dual burden hasn’t been easy; during the day I worked at the agency and in the evening I had to take care of the shop. I never had a day off – neither in my head. It will definitively help to be working only for Jo Brauer. I will be able to switch off in the evening and will enjoy free days.
 
What did Jo Brauer teach you?
I learnt that if you really want something from the bottom of your heart and if you envision it accordingly, you will succeed. I now believe the stuff about “affirmations” and “visualizations” that you usually only read about in books.
I also grew as a person. I for instance learnt to deal with slack periods. Somehow it always goes on! When I don’t sell anything in one day, I won’t let it discourage me. I look ahead. I got stronger.

Would you do it again?
Yes, certainly. In three months time I will maybe tell differently – will be broke or whatever. But I actually know that I would do it again!

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